Freunde für`s Leben oder

das Ende einer Hassliebe

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Laut rumorten die Geräusche der Maschinen in der Halle. Menschen führten immer wieder die gleichen Bewegungsabläufe durch. In dieser Atmosphäre absoluter Eintönigkeit wurde ich geboren und langsam wuchs ich heran.

Der Motor wurde in mein Gehäuse montiert und nach etlichen anderen Einbauten von verschiedenen Teilen, die zu meinem Bewegungsapparat gehörten, kam dann die Endkontrolle.

So erwachte ich zum Leben - ich, wenn ich mich vorstellen darf - der Standmixer.

Man verpackte mich in einen wundervoll weich ausstaffierten Karton, damit ich nicht zu Bruch gehen konnte. Aber hier drinnen war es sehr kalt und dadurch ungemütlich.

War ich froh, als ich endlich wieder ausgepackt und ins Schaufenster eines Ladens zur Ansicht gestellt wurde und darauf warten konnte, verkauft zu werden.

Es dauerte lange bis sich ein Liebhaber für mich fand. Denn ganz billig war ich nicht, ganz billig wurde ich nicht angeboten. Und als Sondermodel hatte das auch seine Berechtigung.

In den sechziger Jahren konnte sich nicht jeder leisten, seine Küche mit elektrischen Geräten auszurüsten.

Es kaufte mich eine Familie und ich stand nun in ihrer Küche und hatte jede Menge zu tun. Gott sei Dank war auch gleich mein ganzes Sonderzubehör dazu gekauft worden und die nächsten Jahre wurden für mich nicht langweilig. Ich machte Kuchenteig, Mix Drinks, zerkleinerte Gemüse und Obst und vieles andere.

Mitte der siebziger Jahre setzte die elektrische Revolution in den Küchen ein. Mein ärgster Feind tauchte in der Küche meiner Familie auf. Ein Handmixgerät. Er nahm mir jetzt größtenteils meine Lieblingsbeschäftigung, das Teigkneten ab.

Ich werde den Platz, wo er hing nie vergessen. Er hatte seinen Platz direkt neben dem Fenster, wo ihn jeder gleich sehen und bestaunen konnte. Ich hingegen stand unauffällig in einer Ecke.

.....Wo sind die Zeiten geblieben, wo ich der strahlende Mittelpunkt der Küche war, träumte ich vor mich hin.

Die nächsten Jahre waren angefüllt mit ständigen Streitgesprächen zwischen mir und dem Handmixer. Der Handmixer pries mir seine Vorzüge an, er sei ja viel handlicher, sagte er mir immer und immer wieder.

Der Tag, an dem ich meinen einzigen Lichtblick hatte, den ich als Glückstag bezeichnen kann, kam.

Der Handmixer brannte durch. Aber nach einigen Wochen kam er aus der Reparatur wieder. Aber wenn ich jetzt mal ganz ehrlich sein soll, ich hatte unsere ständigen Streitgespräche doch vermisst.

Die Jahre vergingen. Die Familie wurde kleiner. Die Kinder wurden groß und gingen aus dem Haus. Es waren bittere Jahre. Nicht nur ich hatte weniger zu tun, sondern auch der Handmixer wurde nicht mehr so viel gebraucht und so vertrieben wir uns in diversen Gesprächen die Zeit und kamen uns näher und ich sagte zu mir im inneren, so übel ist der Handmixer eigentlich gar nicht.

Eines Tages sahen wir, dass die Frau die Wohnung nur noch allein bewohnte und nach kurzer Zeit kam der Tag ihres Auszugs.

Ein junger Mann polterte schnellen Schrittes in die Wohnung und sah mich in der Ecke stehen. Seine Augen glänzten. Ich merkte er war von mir begeistert. Sanft befühlte er mich. Ich glaube von der Sekunde an haben wir beide Freundschaft geschlossen. Er musste wissen, dass auch Maschinen eine Seele haben. Zum Glück nahm er den Handmixer auch mit, nachdem er der Frau seine Begeisterung über mich ausgedrückt hatte und sie überredet hatte mich ihm mit zu geben.

Ich teilte nun die neue Küche mit zwei alten Küchenuhren, sie hatten so ungefähr mein Alter. Mein Freund der Handmixer bekam einen Platz in meiner Nähe, so führten wir in den nächsten Wochen angeregte Gespräche. Als unser Problem kristallisierte sich heraus, dass wir in diesem Haushalt noch weniger zu tun hatten. Der Mann kam und ging zur Arbeit. Er hielt sich zwar viel in der Wohnung auf, aber seine Eßgewohnheiten ließen es nicht zu, dass wir viel zu tun bekamen.

Uns war klar, dass sich unsere Situation nur ändern würde, wenn dieser Haushalt von mehreren Personen bewohnt werden würde. Aber was kann ein Hand- und Standmixer schon in dieser Lage schon ausrichten?

Es ist nicht einfach! Nach Monaten angeregter Diskussionen ergab es sich, dass wieder mehr Leben in die Wohnung kam. Der Mann traf sich jetzt wieder häufiger mit Leuten. Wir hatten wieder mehr zu tun. Schließlich lebte er auch nicht mehr allein.

Der Handmixer und ich hatten aus den letzten Jahren gelernt. Unsere Not nicht genug Arbeit zu haben und unsere ständigen Diskussionen haben uns zu Freunden gemacht.

Heute frage ich mich oft, hätte es nicht gleich so sein können. Wir sind eben auch nur Maschinen. Ohne die angenehme Gesellschaft des Handmixers möchte ich heute nicht mehr sein.